Reformationsempfang im Zeichen der Bildung

Der Schwerpunktjahr der Bildung prägte auch den diesjährigen Reformationsempfang im Wiener Odeon-Theater. Im Bild der für den Bildungsbereich verantwortliche Oberkirchenrat Karl Schiefermair mit der Moderatorin des Abends, Maria Katharina Moser. (Foto: epd/Uschmann)

Wien (epdÖ) Das Thema Bildung prägte den diesjährigen Reformationsempfang der drei Evangelischen Kirchen, zu dem Bischof Michael Bünker, Landessuperintendent Thomas Hennefeld und Superintendent Lothar Pöll am Donnerstag, 29. Oktober, ins Wiener Odeon-Theater geladen hatten.

In seiner Festrede unterstrich der Demograph Wolfgang Lutz (Wirtschaftsuniversität Wien) den Zusammenhang von Bildung, Wohlstand, Gesundheit und Bevölkerungswachstum. In seinem Vortrag spannte er einen Bogen von Martin Luther und der Technologie des Buchdrucks hin zum wirtschaftlichen Erfolg der Länder Nordeuropas und Nordamerikas. „Luther war es aus religiösen Gründen wichtig, dass alle eine gute Schulbildung erhalten, auch Mädchen und niedrige soziale Schichten.“ Dies habe in Folge auch zum wirtschaftlichen Erfolg dieser Regionen beigetragen. „Insofern muss man auch Max Webers These vom Zusammenspiel von Protestantismus und Kapitalismus relativieren. Moderne Studien zeigen, dass der wirtschaftliche Erfolg der protestantischen Länder, der auch schon um 1900 sichtbar war, mit der hohen Alphabetisierungsrate in protestantischen Ländern zusammenhängt“, bringt es der Bevölkerungswissenschaftler auf den Punkt. Mit einer besseren Bildung würde sich aber auch das Bevölkerungswachstum verlangsamen, was wiederum positive Auswirkungen auf Phänomene wie den Klimawandel hätte.

Eine erste Zwischenbilanz zum Jahr der Bildung zog Oberkirchenrat Karl Schiefermair, der in der Kirchenleitung für den Bereich Bildung zuständig ist. Er zeigte sich dankbar für die vielen Initiativen der vergangenen Monate und erinnerte etwa an die Vorlesungsreihe zum Jahr der Bildung, die von der evangelischen-theologischen und der katholisch-theologischen Fakultät der Universität Wien veranstaltet wurde sowie an den Bildungssonntag in den Pfarrgemeinden. Ausdrücklich bedankte sich Schiefermair auch bei allen, die dieses Jahr bis jetzt tatkräftig unterstützten. Einmal mehr lud Schiefermair zur großen Abschlussveranstaltung zum Jahr der Bildung am 4. Dezember ein, bei der die Luther-Botschafterin Margot Käßmann einen Impulsvortrag halten wird.

Gemeinsam mit Schülerinnen des Bregenzer Gallus-Gymasiums stellte Karl Schiefermair das soganannte „VIP-Projekt“ vor. Im Religionsunterricht haben sich die SchülerInnen unter der Leitung von Sabine Gritzner-Stoffers mit der Lebensgeschichte von „very important protestants“ beschäftigt und diese auf Rollups dargestellt. Österreichweit sind dazu inzwischen 63 Rollups entstanden, die der Klagenfurter Pfarrer Lutz Lehmann grafisch gestaltete.

Der Diakoniepreis geht in diesem Jahr nach Klagenfurt. Arbeitslose Jugendliche, SchulabbrecherInnen und drogensüchtige Jugendliche waren Zielpublikum eines innovativen Sozialprojektes, das die evangelische Pfarrgemeinde Klagenfurt-Johanneskirche gemeinsam mit „Streetwork Klagenfurt“ im Sommer auf die Beine stellte. Der Diakoniereis ist insgesamt mit 10000 Euro dotiert und wird seit 16 Jahren von der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich gestiftet. Direktor Georg Starzer bedankte sich für das Engagement der Klagenfurter. „Das Lob gebührt den vielen engagierten Menschen in den Pfarrgemeinden, die sich für das Gemeinwohl einsetzen. Das Preisgeld stiften wir gerne, weil wir froh sind, etwas zurückgeben zu können.“

Vor 60 Jahren wurde der Ring Österreichischer Bildungswerke gegründet. Gründungsmitglied war damals die Arbeitsgemeinschaft Evangelischer Bildungswerke. Angela Bergauer, Geschäftsführerin des Rings, erinnerte auf dem Reformationsempfang an die wichtige Rolle, die Ulrich Trinks, der langjährige Leiter der Evangelischen Akademie Wien, gespielt habe. Heute müssten, so Bergauer, dringend Antworten für gesellschafts- und demokratiepolitische Herausforderungen gefunden werden. Die Bildungswerke bieten hierzu „niederschwellige Begegnungsräume“. Bergauer dankte auch den zahlreichen meist ehrenamtlichen MitarbeiterInnen der Evangelischen Bildungswerke, die jährlich rund 5000 Veranstaltungen mit 88000 TeilnehmerInnen organisieren.

Ausgezeichnet wurde auf dem Reformationsempfang wieder die beste Vorwissenschaftliche Arbeit im Fach Evangelische Religion. Nadine Rose vom Kollegium Kalksburg hat sich in der von Pfarrerin Gabriele Lang-Czedik betreuten Arbeit mit der „Ethik der künstlichen Gebärmutter“ beschäftigt.

Der Reformationsempfang nahm heuer auch Bezug zum Jan Hus-Gedenkjahr. Vor 600 Jahren ist der Reformator auf dem Konzil in Konstanz für seine Glaubensüberzeugungen verbrannt worden. Jan Hus habe unerschrocken seinen Glauben bekannt und das Gesetz Gottes, das in der Bibel festgeschrieben sei, über alle weltliche Gebote gestellt, sagte der Pfarrer der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder, Ondrej Macek.

Präsentiert wurde auf dem Reformationsempfang auch eine Vorschau auf „evangelisch-sein.at“. Unter dieser Internetadresse werden die drei evangelischen Kirchen über ihre Aktivitäten zum Reformationsjubiläum 2017 informieren und unter der Leitlinie „Freiheit und Verantwortung“ thematische Impulse setzen, kündigte der methodistische Pastor Stefan Schröckenfuchs an, der der gemeinsamen Vorbereitungsgruppe angehört.

Spezieller Gast war die 25jährige poetry-Slammerin Öznur Nida Yadikar, die für den Abend das „Bildungsorakel – was wir aus mir?“ schrieb. Musikalisch gestalteten den Reformationsempfang SolistInnen der Begabtenförderung der Johann-Sebastian-Bach-Musikschule und der Hortchorsplatz-Chor, in dem PädagogInnen der evangelischen Schulen am Karlsplatz singen.

Bilder zum Reformationsempfang und zur Verleihung des Diakoniepreises unter foto.evang.at

Bildnachweis: Der Schwerpunktjahr der Bildung prägte auch den diesjährigen
Reformationsempfang im Wiener Odeon-Theater. Im Bild der für den Bildungs-
bereich verantwortliche Oberkirchenrat Karl Schiefermair mit der 
Moderatorin des Abends, Maria Katharina Moser. (Foto: epd/Uschmann)